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Auf den Spuren der Malatesta

Der Palazzo d'Arengo (1204) auf der Piazza CavourNach den Ursprüngen der Malatesta muß man nicht weit entfernt suchen – weder in bezug auf Raum, noch auf Zeit – auch wenn das Gegenteil behauptet wird in den Legenden, die von den gelehrten Hoflingen der Malatesta erfunden und verbreitet wurden. In der Tat sind die ersten Dokumente, die die Malatesta erwähnen, nicht älter als aus dem 12.Jahrhundert; sie beziehen sich auf die Gebietsbesitze in der südlichen Romagna und weisen Spuren von offenen Konflikten mit der Gemeinde Rimini auf. Im großen und ganzen mußte die malatestianische Familie ursprünglich eine Großgrundbesitzerfamilie gewesen sein, die das mittlerere Marecchiatal beherrschte und die Straßen kontrollierte, die von Rimini ins Hinterland führten und sich dabei auf den Besitz zweier gut ausgestatteter Ortschaften stützte:

Pennabilli und VerucchioDie Regalis Ystoria; feinbemalte Buchseite aus dem 14. Jahrhundert, in der Gambalunga-Bibliothek, die sich heute noch des Ruhmes erfreuen, diese Familie gegründet zu haben. Wahrscheinhich war dem Glück der Malatesta weder das Vertrauen und der Schutz der Erzbischöfe von Ravenna fremd, die in der Romagna und den Marken zahlreiche Grundbesitze hatten, noch die Freundschaft, Vertrautheit und Verwandtschaft mit den wichtigsten romagnolischen Familien. Am Anfang aber war eine alte Verwandtschaft mit der bekanntesten und mächtigsten feudalen Familie der Gegend: nämlich der Carpegna Familie, auschlaggebend. Von den Carpegna scheinen fast alle wichtigen Familien der feltrischen und romagnolischen Berge abzustammen.

Auf jeden Fall muß der Druck der Malatesta auf Rimini, mithilfe der Kontrolle des Gebiets und der Straßen und somit auch der landwirtschaftlichen Produktion und des Handels, auf einmal so stark geworden sein, daß er die Wirtschaft der Stadt stark gefährdete. Dies wurde so extrem, daß die Stadt gegen Ende des 12. Jahrhunderts zum offenen Krieg gezwungen war, der im Jahre 1197 beendet wurde durch einen Akt der Wiedergutmachung seitens Giovanni de Malatesta und seinem Neffen Malatesta Minore, sowie zu einer Serie von Handlungen, die die Interessen der Malatesta an das Schicksal der Stadt band. Die Malatesta wurden schließlich zu Bürgern der Stadt ernannt; man schrieb ihnen einen Sitz im Stadtrat zu (1206), man lud sie ein, ständig in der Stadt zu wohnen, man gab ihnen Kredite zur Erbauung von Häusem und man erließ ihnen die Steuern. Vom zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts an erscheinen die Malatesta als eminente Persönlichkeiten der Stadt, sie repräsentieren die Stadt in offiziellen Tätigkeiten und garantieren für sie, sie gehorchen der “ghibellianischen” Politik, d.h. der imperialistischen Richtung. Malatesta della Penna, der 1228 Bürgermeister von Pistoia gewesen war, wird sogar Bürgermeister von Rimini von 1239 bis 1247. Der Weg zur absoluten Machtausübung auf die Stadt ist frei. Im Laufe weniger Jahrzehnte nehmen die Malatesta alle bürgerlichen und religiösen Ämter in Anspruch und entmächtigen nach und nach die städtischen Organe, ohne sie jedoch abzuschaffen, indem sie jeden bekämpfen, verjagen und töten, der ihre Vorherrschaft bedroht.

Castel Sigismondo - Rimini

Bei ihrer Ankunft in der Stadt konnten die Malatesta sich noch nicht einmal mit den traditionellen noblen Familien Riminis vergleichen, was Alter und Adeligkeit betrifft; Familien wie z.B. die Ornodei, die Gambacerri und die Parcitadi. Es handelte sich bei den Malatesta um “neue, grobe Leute”, die jedoch auf ungeheuren Reichtum und wichtige Unterstützung zählen konnten, die sie durch eine scharfsinnige Heiratspolitik und umsichtige politische Allianzen erreicht hatten. Sie konnten sich außerdem auf die Kontrolle des Gebiets und auf die ausgeübte Macht verlassen, ohne moralische Bedenken zu haben und auf absolut skrupellose Weise. Aber, sobald sie die Macht an sich gerissen hatten, versuchten sie, adelig zu werden, indem sie sich älteste Ursprünge zuschrieben. Daher ist es möglich, legendäre Berichte zu finden, in denen der Ursprung des Geschlechts auf den großen Patriarchen Noah zurückgeht, oder auf Tarcone, einen mysthischen troianischen Helden, der ein Cousin von Hektor und Eneas ist, oder auf Ottone III., Imperator des römischen Reichs, oder auf Scipio, “der Afrikaner” genannt. Am Mythos des letzteren fand besonders Sigismondo Pandolfo Malatesta Gefallen, der Berühmteste der Malatesta, tapferer Feldherr und Beschützer der Literaten und Künstler, Stadtherr von Rimini von 1432 bis 1468.